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Fritz Frank †

Schkölen und seine Wasserburg

Schkölen, eine kleine Stadt im nördlichen Teil des Kreises Eisenberg, ist wohl mehr bekannt durch seine Erzeugnisse des VEB Dichtungswerk und des VEB Früchteverarbeitung sowie durch die seit mehr als fünfzehn Jahren durchgeführten Moto- Cross- Veranstaltungen und das schöne Sportstadion „25.Jahrestag der DDR", weniger aber durch sein Baudenkmal, die Wasserburg. Das konnte auch nicht anders sein, denn bis 1977 lag die Ruine der Wasserburg fast vergessen und mit Gestrüpp überwachsen inmitten der kleinen Stadt.

1983 feierte die Stadt Schkölen ihr 825jähriges Stadtjubiläum. Die erste, genau datierte Nennung Schkölens finden wir in einer Urkunde, die am 1. Januar 1158 in Goslar ausgestellt wurde. Der Ort Scolen, wie er damals hieß, hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Nach dem –vermutlich wendischen- Anfang des Ortes, ist im ersten Abschnitt der feudalen deutschen Ostexpansion (in den Jahren zwischen 950 und 1100) der Ortskern zu datieren, der sich bis 1158 zum Marktflecken entwickelt hatte. Dazu gehörten sowohl der königliche Hof, die romanische Kirche, der dreieckige Markt, das Rathaus und die Gehöfte der Ackerbürger um den Markt, einschließlich eines Ausspann- Gasthofes.

Unterhalb des königlichen Hofes und des Marktes liegt die Wasserburg. Zum Unterschied von Höhenburgen nutzte man beim Bau von Wasserburgen entweder stehendes oder fließendes Gewässer zur natürlichen Sicherung der Burg aus, das heißt, sie wurde auf einer Insel erbaut oder mit einem breiten Wassergraben umzogen. Diese Voraussetzungen waren hier durch das Durchfließen zweier Bäche, eines ausgedehnten Sumpfgebietes und einer kleinen Felseninsel gegeben.

Wer die Erbauer der Wasserburg waren, ist bis heute nicht nachweisbar. Man nimmt vielfach an, daß ihre Anfänge bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen. Ohne Zweifel steht jedoch fest, daß an der Burg zu verschiedenen Zeiten gebaut worden ist. Der erste Bau bestand aus einer annähernd quadratischen Anlage.

An jeder Ecke befand sich ein Rundturm mit Kuppelgewölbe. Die beiden Türme zum Schutze des nördlichen Haupttores stehen noch, ein Kuppelgewölbe ist vollständig erhalten. Die Burg ist 1536 abgebrannt und in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht wieder aufgebaut worden. Hierbei sind wohl auch alle die Dokumente und schriftlichen Unterlagen mit verbrannt, die uns mehr über die Geschichte der Burg und auch der Stadt hätten sagen können. Im Revolutionsjahr 1848 glaubten auch die Bürger der Stadt Schkölen an den Anbruch einer neuen Zeit. Die Burgruine war für sie nur noch ein Symbol der Unterdrückung ihres Freiheitswillens, sie schütteten den südlichen Teil des Wassergrabens für einen nachfolgenden Straßenbau zu. Anschließend wurde das Innere der Burg mit Erdreich und Schutt aufgefüllt und die Zerstörung der Gesamtanlage hierdurch fortgesetzt.

In diesem Zustand dem Verfall preisgegeben, bot sich dem interessierten Betrachter das Bild der Wasserburg bis zum Sommer 1977, denn zur Erhaltung der teilweise noch vorhandenen Burganlagen ist bis dahin nichts getan worden. Im Gegenteil, anfangs der zwanziger Jahre diese Jahrhunderts sin innerhalb der Burganlage kleinere Gebäude wie Holzschuppen und Stallungen an- und eingebaut worden, wodurch das Gesamtbild noch weiter verschandelt wurde. Auch die Außenanlagen der Wasserburg waren in einem trostlosen Zustand bis zu Beginn der 50er Jahre. In dieser Zeit begannen interessierte Bürger der Stadt Teile der Anlage neu zu gestalten. Das sogenannte Wal, ein teil des Wassergrabens, wurde neu eingefaßt und auf dem ehemaligen Burgvorplatz, dem heutigen Friedensplatz, eine würdige Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus und Militarismus errichtet.

Ein neues Kapitel vielfältiger Maßnahmen zur Erhaltung und teilweisen Rekonstruktion des kulturhistorischen Bauwerkes Wasserburg begann im Juli 1977. Schon seit Jahren suchte ich nach Möglichkeiten, sie der Nachwelt zu erhalten. Mit Beginn des Schuljahres 1977/78 wurde an der POS „Maxim Gorki" in Schkölen die Arbeitsgemeinschaft Wasserburg gegründet, in der interessierte Schüler der Klassen 5 bis 10 mitarbeiten. Der Bürgermeister der Stadt Schkölen übergab einen Auftrag an die Arbeitsgemeinschaft. Er schließt sowohl die Durchführung von Werterhaltungsmaßnahmen am gesamten Burggelände als auch die Erforschung der Unterlagen für eine zielgerichtete Rekonstruktion ein. Der „erste Spatenstich" wurde im Juli 1977 durch das Lager für Erholung und Arbeit der POS Schkölen getan. Säubern der gesamten Burganlage von Schutt und Gerümpel und Entfernen von Bäumen und Sträuchern, sofern historische Bausubstanz nicht gefährdet wird, das war die erste Arbeit, die durchgeführt werden mußte. Gewiß keine leichte Arbeit, aber sie wurde mit viel Interesse durchgeführt und die Ergebnisse konnten sich durchaus sehen lassen. Durch die Schüler der AG Wasserburg und weitere Lager für Erholung und Arbeit wurden bis zum Jahresende 1981 im Wesentlichen Grabungsarbeiten durchgeführt. Diese Arbeiten konzentrierten sich zuerst auf die Oberburg. Hier wurde eine zwei Meter hohe Erdschicht abgetragen. Dabei wurden Fundamente vermutlich eines Wohngebäudes, Reste einer Verbindungsmauer zwischen der Ober- und Unterburg sowie ein Torbogen, der wohl der Eingang zu einem kleineren Hof war, freigelegt. Die Hauptarbeiten konzentrierten sich 1981 im Wesentlichen aber auf die Freilegung und Rekonstruktion der Südmauer. Durch Baum- und Strauchbewuchs war die Oberkante vollkommen zerstört. Durch Entfernen desselben, sowie Abtragen und Säuberung des oberen Teiles der mauer, die eine Stärke bis zu 2,30 m besitzt, konnte sie wieder instand gesetzt werden.

 

In der Südmauer, die eine Länge von 50 m hat, und halbkreisförmig gebaut ist, befinden sich sechs romanische Öffnungen (Ausgucklöcher und Schießscharten, sogenannte Hosenscharten), die noch sehr gut erhalten sind. Desgleichen wurde eine Pforte zur Stadt freigelegt, die aber in der untere Hälfte bis etwa zur Mitte zugemauert war.

Eine große Aktivität bei der Rekonstruktion der Wasserburg wurde in den Jahren 1982 und 1983 entfaltet. Schwerpunkt war die Rekonstruktion des Haupteinganges zwischen den beiden Nordtürmen und die beiden Türme selbst. Der Nordwestturm, der nach oben offen war, mußte etwa 4 m tief ausgegraben werden. Nach dem Hochziehen des Mauerwerkes wurde hier eine kuppelförmige Steindecke eingezogen, die dem noch vorhandenen Original im Nordwestturm nachgestaltet wurde. Nach der Fertigstellung des Eingangstores wurde darüber und zwischen den beiden Türmen ein Wehrgang errichtet. Dieser Wehrgang ist ein Fachwerkbau und viele Besucher sind der Meinung, daß er schon seit Jahrhunderten steht. Im Innern dieses Wehrganges befindet sich das Drehwerk für die Bedienung der Zugbrücke. Die Zugbrücke mitsamt Drehwerk wurde ebenfalls neu errichtet und ist immer wieder Anziehungspunkt unserer Gäste. 1984 wurden im Wesentlichen Grabungsarbeiten durchgeführt. Das Burginnere in der Unterburg wurde begradigt und soll in der nächsten Zeit mit einer Pflasterdecke versehen werden. Gegenwärtig wird an der Freilegung des Burgkellers gearbeitet. Dieser Keller hat eine Ausdehnung von 6x15 m und ist in mehrere kleine Räume unterteilt. Seine kuppelförmige Decke ist noch sehr gut erhalten.

Wie soll es weitergehen? Nach unserer Meinung werden die Rekonstruktionsarbeiten noch 4 bis 5 Jahre in Anspruch nehmen. Folgende Arbeiten müßten noch durchgeführt werden:

                                            weitere Ausgrabungsarbeiten in der Ober- und Unterburg

                                            Begradigung des Hofes und Pflasterung in beiden Burgteilen

                                            Ausgrabung und Instandsetzung eines Teiles der Westmauer

                                            Fertigstellung des Südturmes und des Südwestturmes

                                            Errichtung eines Freilichtmuseums für landwirtschaftliche Geräte der Vergangenheit

                                            Instandsetzung des großen Kellergewölbes und

                                            Errichtung eines kleinen Heimatmuseums

Natürlich kann ein solches Vorhaben nicht ohne Mitarbeit interessierter Bürger vonstatten gehen. Deshalb ist auf Anregung der Kreisleitung des Kulturbundes Eisenberg im Jahr 1978 ein „Freundeskreis Wasserburg" gebildet worden. Dieses Kollektiv, es setzt sich im Wesentlichen aus jungen Menschen zusammen, arbeitet seit dieser Zeit unter der Leitung des Ratsmitgliedes Peter Buchholz, Werkleiter des Werkes 5 des Volkseigenen Betriebes Obst- und Gemüseverarbeitung Gera in Schkölen und des Freundes Günter Baumgarten, Kraftfahrer bei der ZBO Eisenberg. Zu ihrer ersten Arbeit gehörte die Instandsetzung der Einfassung des Friedensplatzes sowie die Ausbesserung der Einfassungsmauer des Wals. Aber auch der größte Teil der Betriebe des Territoriums helfen tatkräftig mit. Hier sei neben dem genannten Werk besonders der VEB Dichtungswerk erwähnt, ebenso das VEG(P) und die LPG(T) Schkölen, aber auch die VdgB (BHG). Insgesamt wurden seit 1977 bis Ende 1984 20.000 Arbeitsstunden geleistet.

Die Rekonstruktionsmaßnahmen an der Wasserburg werden vom Institut für Denkmalpflege in Erfurt fachlich angeleitet. Selbstverständlich wäre ein solches Vorhaben ohne die Hilfe und Unterstützung staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen nicht durchführbar. Hier seien besonders genannt: der Rat des Bezirkes Gera, das Institut für Denkmalpflege Erfurt, der Rat des Kreises Eisenberg, der Kulturbund der DDR, Kreisleitung Eisenberg und der Rat der Stadt Schkölen sowie die Betriebe des Territoriums und die Bürger der Stadt, die mit Lust und Liebe schon seit Jahren an der Verwirklichung der Rekostruktionsarbeiten tatkräftig mitarbeiten.

Wir, die vielen Helfer bei der Rekonstruktion unserer Wasserburg in Schkölen , sind der Meinung, daß hier das Denkmalpflegegesetz vom 19. Juni 1975 in die Tat umgesetzt und mit Leben erfüllt wird.

Nach Abschluß aller Arbeiten soll das Kulturdenkmal Wasserburg als ein kleines kulturelles Zentrum der Bevölkerung übergeben werden.

(leicht gekürzt)

Quelle: „Heimatgeschichtlicher Kalender des Bezirkes Gera" 1987

Hrsg.: Bezirksleitung Gera des Kulturbundes der DDR