Startseite Chronikarbeit Hochwasserkatastrophe vom 13.05.1861

Hochwasserkatastrophe vom 13.05.1861

Die Hochwasserkatastrophe von 1861 jährt sich zum 150zigsten Male

 

Gedenktafel der Jahrhunderthochwasseropfer auf dem Friedhof Schkölen (Foto: I.Kaiser - Burgverein)

 

Jeder Schkölener kennt sie, die Hochwasser bei starken Regen. Bedingt durch die geographische Lage, erheben sich im Umkreis von über 300 Grad sanfte aber lange Hänge um Schkölen. Wassermassen die sich bei starken Regen auf den umliegenden Feldern sammeln, fließen dann ungebremst durch`s Städtchen und finden lediglich im Osten einen Ausgang. Die drei sonst harmlosen Bäche, Mönchsbach aus dem Kiefengrund, Hirtenbornbach aus dem Fritschental und der Flöhbach zwischen Gutspark und Gerichtsberg können bei starken Regen nimmer  von der Kanalisation aufgenommen werden. Auch die engen Gassen bündelten die Menge der Niederschläge und zwingen diese ins Zentrum der Stadt bevor diese in Richtung Seiselitz, mit dem Mönchsbach, in die Wethau fließen. Seit dem Bau eines Wasserrückhaltebeckens, im Kiefengrund, im Jahr 1991 hat es keine schlimmen Hochwasserkatastrophen mehr gegeben. Eine solche Stauvorrichtung war für`s Fritzschental auch geplant ist aber wegen Geldmangel nie zur Ausführung gekommen. In den Chroniken von Emil Ulrici und Fritz Frank wird dagegen von schweren Unwettern vom 17. bis ins 20 Jahrhundert berichtet. Natürlich hat es auch vorher bereits Hochwasser und deren verheerenden Auswirkungen in Schkölen gegeben. Nur gibt es hierüber keine Informationen mehr, unter anderem haben die zahlreichen Stadtbrände auch solche Aufzeichnungen vernichtet. Das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.

Das wohl folgenschwerste Unwetter ereignete sich aber am 13. Mai 1861

 

 

O hört was in den schönen Maientagen

In Schkölen, meiner treuen Vaterstadt,

Die von Herzen alle wohl beklagen,

Entsetzliches sich zugetragen hat.

 

So begann der Schkölener Dichter Ernst Ortlepp sein Gedicht über die Katastrophe.

 

 

 

Es war ein Montag im Mai des Jahres 1861 als sich am späten Nachmittag ein schweres Gewitter ankündigte. Von Hagel begleitet wütete das Unwetter über mehrere Stunden und brachte den Bewohnern Tot, Zerstörung, Not und Leid. Die Wassermassen spülten von den Feldern Unmengen an Erde und vermischten sich mit allem was nicht Niet- und Nagelfest war. Die Brühe stand in der Innenstadt bis zu 3 Meter hoch. Es wird in den Aufzeichnungen von vielen Rettungsaktionen berichtet. Doch für Schneidermeister Christian Friedrich Krebs mit Tochter Emma 12 Jahre und Sohn Adolf 7 Jahre, dem Färbermeister Ferdinand Gottschalg mit Frau Rosali und ihrem 10 jährigen Sohne Maximilian, dem Sattlermeister Hußler, die Dienstmagd Flemming aus Poppendorf und Adelheid die dreijährige Tochter des Handarbeiters August Hinniger gab es keine Rettung.

 

Hochwassermarke in der Innenstadt in fast 3 Metern Höhe (Foto: S.Nimmler - Burgverein)

 

Das Bild am Morgen des 14. Mai ist kaum mit Worten zu beschreiben. Die Flut hatte nicht nur die Straßen zerstört, sondern auch 4 Wohnhäuser und 39 Ställe, Schuppen und Scheunen. 57 Wohn und 52 Neben- bzw. Wirtschaftsgebäude nahmen erheblichen Schaden. Der Rest war mehrere Fuß hoch mit Schlamm bedeckt. An toten Tieren waren neben 16 Kühen,  auch 5 Kalben, 3 Pferde, 28 Schweine, 42 Ziegen, 2 Schafe, 6 Hunde 37 Gänse und 114 Hühner zu beklagen. Noch am selben Abend wurde in der Wohnung des Pastors Moser mit dem damaligen Bürgermeister Windisch ein Komitee gebildet, welches die größte Not zu beseitigen versuchte. Ein Hilferuf wurde in 30 Zeitungen in ganz Deutschland gesendet. Aus Weißenfels wurden 2 Gendarmen und zwei Polizeiserganten abgestellt, welche zusätzlich für Recht und Ordnung sorgen sollten. Helfer aus den umliegenden Orten begannen sofort mit der Beseitigung des Schlammes. Eine Schadensumme von über 50.000 Talern wurde ermittelt. Neben Sachspenden gingen auch Geldspenden von über 23.000 Talern beim Komitee ein. Selbst der König hatte sich mit 300 Talern und Herzog Ernst I. mit 50 Talern Spende beteiligt.

Pastor Moser schreibt am 26.09.1861 im Eisenberger Nachrichtenblatt, dass und in welcher Weise die Spendengelder verteilt worden. Zum Gedenken an die 9 Ertrunkenen umzäunte man das Grab mit einem schmucken schmiedeeisernen Geländer und brachte eine weiße Mamortafel mit den Namen und dem Alter der Verstorbenen an. Das Grab ist bis heute auf dem Friedhof in Schkölen erhalten und wird von verschiedenen Gemeindemitgliedern in Ordnung gehalten. Am Sonnabend den 14.05. um 10 Uhr wird zum Gedenken an die schlimmen Folgen ein Kranz durch den Bürgermeister und einige Vereinsmitglieder nieder gelegt.

 

S.N. Burgverein

Grabanlage auf dem Friedhof Schkölen (Foto I.Kaiser - Burgverein)